Der neue D–Jugend-Chefcoach Thorsten Heck im Gespräch

Interview mit Thorsten Heck, der in der kommenden Saison die U13 von RWW trainieren und als Chefcoach für den D-Jugendbereich zuständig sein wird.

Der 42-jährige Grundschullehrer und Inhaber der DFB-Trainer-A-Lizenz verfügt über 20 Jahre Erfahrung als Jugendtrainer und trainierte bereits erfolgreich Mannschaften in der U15 und U17 Hessenliga sowie Auswahlspieler am Stützpunkt Offenbach. Mehrere seiner ehemaligen Jugendspieler schafften den Sprung in den Profibereich.

 

RWW: Hallo Thorsten, wie bist du zu RW Walldorf gekommen?

Thorsten: Der sportliche Leiter der Jugendabteilung, Steffen Kaschel, hat mich angerufen als er mitbekommen hat, dass ich nach meinen beruflichen Auslandsaufenthalten wieder in Hessen tätig bin. Mein Trainerkollege von früher, Frank Laber, hatte meine Kontaktdaten und dann ging alles ziemlich schnell. Ich kannte Steffen von früher, als er in den U15 Hessenligen mit seinen Teams gegen mich spielte.

 

RWW: Warum hast du dich für RW Walldorf entschieden?

Thorsten: Ich sehe hier die Möglichkeit etwas Besonderes aufzubauen, mit Trainerkollegen, die ich schätze und die Bereitschaft vieler im Verein sich weiter zu entwickeln. Dabei würde ich gerne helfen. Auch die Infrastruktur ist gut und die Jugendleitung macht seit Jahren einen super Job.

 

RWW: Was genau sind deine Aufgaben als Chefcoach für den Altersbereich der D-Jugenden?

Thorsten: Es geht darum die sportliche Ausbildung der Spieler zu verbessern, die Trainingsqualität zu steigern, eine objektivere Leistungseinschätzung für jeden Spieler abzugeben und auch das Scouting zu verbessern. Vor allem die Fortbildung der Trainer ist dabei entscheidend und die gute Zusammenarbeit untereinander. Ich werde mir eine Menge Spiele und Trainingseinheiten aller Jugendteams von U11 bis U15 anschauen und meine Eindrücke mit den Trainern besprechen.

 

RWW: Was ist dir in deiner U13 wichtig, welches sind deine sportlichen Ziele?

Thorsten: Die Entwicklung einer klaren Spielidee. Die Spieler sollen lernen in welcher Situation auf dem Platz welches Verhalten sinnvoll ist, gegen und mit dem Ball. Außerdem müssen die Spieler intensiv und konzentriert im Training arbeiten und bereit sein ihre Schwächen zu verbessern und Hinweise des Trainers anzunehmen. Das geht nur mit Disziplin auf und neben dem Platz. Dann wird man auch eine sportliche Entwicklung des Teams und jedes Einzelnen sehen.

 

RWW: Welche Platzierung strebst du mit der U13 an?

Thorsten: Tabellenplätze sind in der Jugend erstmal nachrangig, aber natürlich möchte RWW ab der U13 in den nächsten Jahren durchgängig in den höchst möglichen Spielklassen in Hessen spielen. Dann bringen wir auch mehr eigene Jungs in die erste Mannschaft, die ja hoffentlich in die Hessenliga aufsteigen wird. Eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte der Gruppenliga sollte es im ersten Jahr aber schon sein.

 

RWW: Einige deiner früheren Jugendspieler haben ja den Sprung in den Profibereich geschafft. Welche Tipps hast du für Jungs, die Profi werden wollen?

Thorsten: Die Chance Profi in den Ligen 1 - 3 zu werden liegt bewiesenermaßen nur zwischen 3 und 5 % und das bei Jungs, die bereits in der U19 eines Profivereins spielen. Dasselbe gilt für alle Spieler, die beim Länderpokal des DFB‘s mit den Landesauswahlen vorspielen. Das heißt, es schafft ein Spieler von 20, der besten Teams in Hessen bzw. Deutschlands. Leider glauben dennoch viele Eltern daran, dass ihr Sohn einer davon sein wird. Meiner Erfahrung nach, schaffen es nur die geduldigen, disziplinierten, fußballverrückten Jungs mit realistischen Erwartungen und gelassenen unterstützendem Elternhaus. Man braucht viel Glück, körperliche günstige Voraussetzungen und muss Vieles unterordnen. Schule muss deshalb das Wichtigste bleiben und die Jungs müssen sich im Verein wohlfühlen und klar im Kopf bleiben.

 

RWW: Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel in ein NLZ?

Thorsten: Entscheidend sind die Trainer und damit die Trainingsqualität. Sind die Mitspieler gut und die Spielklasse hoch genug, gibt es keinen Grund für einen frühen Vereinswechsel. Bis auf einen Spieler, der bereits zur U15 in ein NLZ wechselte, schafften es von meinen ehemaligen Jungs nur solche, die erst zur U17, teilweise sogar erst in der U19 zu einem Proficlub wechselten. Von denen, die früher weg gingen, war kein einziger noch Stammspieler einer Bundeliga-U19 und die meisten nach ein, zwei Jahren wieder weg.

Das zeigt wie krank und sinnlos es ist Kinder in jungen Jahren bereits zu einem Wechsel in ein NLZ zu überreden. Es werden so früh Hoffnungen geweckt, dass die Eltern und viele Kinder oft daran kaputt oder dem Fußball verloren gehen, wenn sie dann aussortiert werden. Der zeitliche und teils finanzielle Aufwand, den die Familien leisten ist enorm und nicht zu rechtfertigen, da es vor dem Ende der Pubertät überhaupt keine wissenschaftlichen Möglichkeiten zur Talentprognose in Spielsportarten gibt.

 

RWW: Zurück zum Projekt RW Walldorf, wie weit sind die Planungen der neuen Saison?

Thorsten: Wir haben Leistungstests mit mehr als 60 internen und externen Spieler der Jahrgänge 2007 und 2008 durchgeführt. Mit den zusätzlichen Eindrücken aus den Spielbeobachtungen und aus dem Mannschaftstraining wurden die Kader für D1, D2 und D3 eingeteilt. Für jedes Kind soll so eine geeignete Mannschaft und Spielklasse gefunden werden, die dem derzeitigen Leistungsvermögen entspricht und regelmäßige Einsatzzeiten ermöglicht. Die Teamzusammensetzungen stehen nun zu 90 % fest und werden den Spielern und Eltern noch bis Mitte Mai mitgeteilt. Dann weiß jeder woran er ist und kann für sich entscheiden ob er den angebotenen Weg mitgehen möchte.

Für die U13 suchen wir aktuell noch einen weiteren Torwart, einen Innenverteidiger, einen Zehner und einen Stürmer. Ansonsten sind wir gut aufgestellt und ich freue mich auf den Start der Vorbereitung der neuen Saison im Juni.

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